Was wär’ die Weihnacht ohne Wünsche?
Cilli Kehsler beschreibt „Ein Fest für die Liebe“
Weihnachtsgedichte für Erwachsene, das ist kein einfaches Thema. Wie man es ohne die klassischen Klischees, mit Humor und Besinnlichkeit, Einsichten und Erinnerungen betrachten kann, zeigt Cilli Kehsler in ihrem neuen Buch „Ein Fest für die Liebe“. Es ist eine Lektüre für wahre Weihnachtsfreunde, denen das Fest noch eine frohe Botschaft ist.
„Was wär die Weihnacht ohne Wünsche“, hat sich die Autorin gefragt. Eine Zeit ohne Hetze im Gedränge, ohne Weihnachtsgedudel an jeder Ecke und den Erwartungsdruck ungetrübter Festtagsfreuden? Wäre es die Zeit wunschlos glücklicher Stunden? Cilli Kehsler kommt in ihrem Gedicht „Wunscherfülltes Weihnachtsfest“ zu einem anderen Schluss, der stellvertretend für ihre positive Weihnachtssicht steht: „Die Welt, sie wär um vieles ärmer, / denn ohne Wünsche hofft man nicht; / und ohne Hoffnung ist das Leben / wie eine Nacht, ganz ohne Licht.“
Einen Glanz von Licht und Hoffnung will Cilli Kehsler in die Weihnachtszeit zurückholen. Eine nostalgische Note lässt sich den Texten nicht absprechen, doch sie ist bewusst gesetzt. Denn die Gedichte sind nicht im Hinblick auf das nun vorgelegte Buch entstanden, sondern als persönliche Grüße für die eigene Weihnachtspost. Der Brief gilt Cilli Kehsler gerade „im Zeitalter der elektronischen Gedankenübermittlung“ als eine Botschaft mit Persönlichkeit. „Wenn zu jemandem noch Kontakt besteht, dann ist das Weihnachtsfest oft der Termin, an dem man sich meldet.“ Diesem „Aneinanderdenken“ will Cilli Kehsler mit ihren Texten ein kleines Denkmal setzen.
Ihr Buch beginnt im Advent – der Zeit des Wartens im Kerzenschein und der Suche nach dem Weihnachtsweg. Das Licht wird zum Symbol für ein Miteinander, das den anderen wieder sieht und neu wahrnimmt. So schließt das Gedicht „Licht für uns alle“ mit dem Vers: „Licht ins Dunkel lasst uns tragen, / das dem Leben Wärme gibt, / dass der Mensch mit Herz und Händen / wieder froh sein Menschsein übt.“
Bevor die Weihnachtszeit eingeläutet wird, reflektiert ein kleines Kapitel über „Wünsche und wahres Glück“. Es lenkt die Aufmerksamkeit auf „Die kleinen Dingen“, „Die Gabe der Freude“ und „Das Glück der Unvollkommenheit“. In diesen Gedichten wird deutlich, dass es Cilli Kehsler nicht um eine Vier-Wochen-Herzenskur zur Weihnachtszeit geht, sondern um eine Grundhaltung dem Leben gegenüber. So lautet die „Weihnachtsbotschaft“ im Weihnachtskapitel ganz folgerichtig: „Dieses Jahr zur Weihnachtszeit, / Christkind mach es möglich, / schenk den Segen deiner Nacht / uns ein Jahr lang, täglich.“
Mit den Gedanken zum Neujahr schließt der kleine Band. Zum Abschied winkt ein Schneemann-Paar und wünscht ein baldiges Wiedersehen. Manche Leser mag es auch zum erneuten Blättern einladen, denn den Gedichten von Cilli Kehsler hat die in Hamburg lebende Illustratorin Anabel Leiner eine ganze Schar lustiger Weihnachtsboten mit auf den Weg gegeben. So hoffen die himmlischen Botschafter mit Aktenkoffer und im Anzug auf Einlass, um ihren „Weihnachtsfrieden“ den Menschen anbieten zu können. Ein Mann mit Frühstückstablett schenkt sich selbst im Nikolausstrumpf, und ein Manager träumt von seiner Kinderzeit, wenn er mit Schneebällen nach seinem Ebenbild aus Eis und Schnee zielt. Die Bilder von Anabel Leiner haben den Tenor der Texte getroffen: Mal leicht und heiter, mal hintergründig, doch niemals in barocker Schwere. Ein Buch, das dazu einlädt, einfach einmal innezuhalten, damit das Weihnachtsgefühl wieder eine Chance bekommt.
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